Die Ringe des Dieter Roth. Tragbare Kunstwerke eines universellen Künstlers

This exhibition is documented in German only.

Der renommierte schweizer Maler, Graphiker, Bildhauer, Objektkünstler, Typograph und Dichter Dieter Roth (1930 - 1998) erschloß als universeller und überaus innovativer Künstler und als Professor an der Düsseldorfer Akademie immer wieder neue Materialien und Verfahren (z.B. Schimmelkulturen) für künstlerische Prozesse. Als Objekt- und Wortkünstler erfand er neue Kombinationen von visuellen und verbalen Elementen. An seinem Wohnort Reykjavik entwickelte er – zunächst „aus fergnügen und alten mashinentailen“ - seit 1959 über einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren für den Goldschmied Hans Langenbacher eine Serie von Fingerringen, die in ihrer avantgardistischen Konzeption den Rahmen konventioneller Schmuckkunst sprengen und im übrigen Werk von Roth als einzigartiger, Werkkomplex dastehen. In diesen im goldschmiedischen Sinne unkonventionellen, revolutionären Arbeiten nimmt Roth manche Gestaltungsideen späterer Schmuckkünstler vorweg. Kennzeichnend für fast alle Entwürfe ist die spielerische Kombinierbarkeit eines Grundmoduls mit verschiedenen, aufschraubbaren „Hüten“, figürlichen Aufsätzen oder den farbigen, gedrechselten Acrylköpfen („Hut-Ringe“, „Zoo-Ringe“, „Dreh-Ringe“). Innovativ ist die Idee, auswechselbare Edelsteinkugeln ausschließlich durch Federkraft zu fixieren. Ein nahezu autonomes Werk ist der „Falt-Ring“ mit zwölf übereinanderfaltbaren Ornament- und Symbolschablonen, die im ausgebreiteten Zustand ein größeres Werk ergeben. Für Zoo- und Hutringe hat Roth auch eigene, ganz ungewöhnliche Kassetten entworfen, die die Zusammengehörigkeit der Stücke als Teile eines übergreifenden Kunstwerks unterstreichen.
Ein seltenes Dokument des künstlerischen Schaffens von Dieter Roth ist die gesamte erhaltene Korrespondenz des Künstlers mit dem Goldschmied Langenbacher: In unzähligen (übermalten) Karten, Briefen, Randbemerkungen, Beschreibungen und Skizzen wird nicht nur der ungewöhnliche, luxurierende Ideenreichtum von Roth und die konkrete Entwicklung der Ringserien faßbar, sondern auch vieles vom Wesen des Künstlers sichtbar.
Gezeigt werden alle (rund 50) Ringe und Ringaufsätze, dazu Graphiken, Skizzen, Entwürfe, Zeichnungen und die Korrespondenz zwischen Roth und Langenbacher. Zur Ausstellung ist ein Katalog mit Texten von Jean Christophe Ammann, Peter Noever und Aðdalsteinn Ingólfsson erschienen und die aufwendig facsimilierte Reedition der originalen Korrespondenz einschließlich aller Briefe, Skizzen und Gemälde; zusammen im Schuber € 180,-.