Schmuckpole

Die Goldschmiede Wilhelm Nagel und Karl Fritsch

27. Mai bis 24. August 2008

Die 7 Todsünden Fingerringe mit verschiedenen Ringköpfen
Karl Fritsch, München, 2007.
Geiz
Silber, geschwärzt; Feingold in Barrenform (ca.100 gr)

Die Sonderausstellung „Schmuckpole“ stellt programmatisch das Werk zweier extrem unterschiedlicher Schmuckkünstler, des Kölner Goldschmieds Wilhelm Nagel (geboren 1927) und des aus München stammenden Künstlers Karl Fritsch (Jahrgang 1963) gegenüber. Nagel - aus der Tradition der Kölner Werkschule und der Goldschmiedin Elisabeth Treskow stammend – repräsentiert mit gestalterisch und technisch hochrangigen Arbeiten den klassischen Gold- und Silberschmied mit dem seit Jahrhunderten höchst angesehenen vollständigen Aufgabenspektrum: Das schmückende Ornament, der eigentliche Schmuck, hat als freie gestalterische Arbeit in seinem Werk zweifelsohne großes Gewicht. Daneben stehen Arbeiten für den sakralen, liturgischen Bereich, Kelche und Abendmahlsgerät, Leuchter, Tabernakel, Monstranzen, Vortragekreuze, Bischofsstäbe, -ringe und -kreuze, Altäre, Reliquiare und Einbände liturgischer Bücher. Seine Silberschmiedekunst brachte Kannen und Becher, Leuchter, Schalen, Vasen, Amtsinsignien und, nicht zuletzt (1964/65), den Deutschen Fußballpokal – einen noch heute verliehenen Sportpreis – hervor.
Karl Fritsch, ebenfalls ausgebildeter Goldschmied, hat sich nach dem Studium an der Akademie der bildenden Künste in München vor allem dem Schmuck auf einen – an seinen Lehrern Hermann Jünger und Otto Künzli geschulte – unkonventionelle Weise genähert, oft in bewußter, provokanter Abkehr von herkömmlichen goldschmiedischen Techniken, Wertvorstellungen und Gestaltungsgesetzen sowie mit unorthodoxem Materialmix. Es ist ein bewußt subversiver Umgang mit Schmuck. Aus seiner Hand kommt bisweilen betont unästhetischer, auch tendenziell untragbarer Schmuck. Fritsch „spielt“ mit dem Phänomen Schmuck, in seinen Arbeiten scheint es erlaubt, Anspielungen und Zitate aus der Kunstgeschichte zu erkennen (Das Urinal von Duchamp, andere ready mades). Fritsch bedient sich beliebiger Elemente aus der künstlerischen Praxis und erzeugt Formen von Schmuck, die in Richtung des (zweck-) freien bildnerischen Ausdrucks tendieren.
Beide Künstler haben mit großem Erfolg an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen und sind Träger mehrerer, oft internationaler Preise. Ihre Arbeiten, die in der Ausstellung in repräsentativer Auswahl gezeigt werden, sind in mehreren Museums- und Privatsammlungen vertreten. Die Ausstellung „Schmuckpole“ zeigt rund dreihundertsechzig frühe Arbeiten von Karl Fritsch, zum Teil in aufsehenerregender Installation, die auf den Besitzer des Sammlungskomplexes zurückgehen. Dazu sind einige rezente Arbeiten gestellt und die Arbeiten aus dem Komplex der sieben „Todsünden“. Von Wilhelm Nagel sind rund 80 hochkarätige Arbeiten zu sehen, vorwiegend aus dem Schmuckschaffen, dazu beeindruckende Beispiele seiner Kunst des profanen und sakralen Geräts.